choose:  deutsch english
Partner & Sponsoren:

Kletterzentrum München – Megaanlage im Klettermekka

Die Kletteranlage Thalkirchen im gleichnamigen Münchner Stadtteil gelegen ist ein Bau der Superlative: In Thalkirchen kommen Hallenkletterer aus der Provinz ins Staunen angesichts der vielfältigen Möglichkeiten, die hier geboten werden.

Die Megaanlage bietet für jeden Kletterer etwas: riesige Flächen mit Strukturelementen befriedigen den Outdoorfan. Extrem lange und zugleich weit überhängende Routenlinien erfreuen die Kletterer der schärferen Gangart. Die Betonaussenanlage, ein Projekt der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, wird nach wie vor fleißig frequentiert, denn die Masse an leichten Routen, stellt für den Gelegenheitskletterer ein schier unerschöpfliches Angebot dar.

Zum Bau der alten Betonaussenanlage, der bis dato und seitdem mit Abstand größten ihrer Art in Deutschland, gibt es eine nette Geschichte zu erzählen:

Bis zur Errichtung der „Betonburg“ frönte die noch kleine Münchner Kletterszene ihrem Sport im abgeschmierten Kultklettergarten Buchenhain, südlich von Thalkirchen. Die Kritik an dem Projekt Thalkirchen erschall aus diesem elitären Kreise sofort: „Das hat mit dem Naturerlebnis Klettern nichts mehr zu tun!“ weshalb die Erbauer sich bemühten, die künstlichen Kletterwände so weit wie möglich dem Naturfels anzugleichen. Tatsächlich trafen sich mehrere dutzend Kletterer (Kinder wie Erwachsene), um aus Styropor Griffe zu kreieren, die als Schalungseinlagen für die im Bau befindlichen Betonwände dienen sollten. Eine riesige Betonaußenanlage mit naturähnlichen Griffen entstand (Eintrittspreis 2,- DM für DAV-Mitglieder!). Die phantasievollen, vielfältigen Griffformen sind die sichtbare Hinterlassenschaft eines Teiles der Münchener Kletterszene der 1980er Jahre. An dieser Betonanlage können auch viele ellenlange Boulderquergänge geklettert werden, was bei jungen wie auch älteren Nutzern sehr gut ankommt.

A propos Jung: Für die vielen kletternden Kinder und Jugendlichen gibt’s eine Menge Sonderattraktionen: Ein etwas abgeschotteter Kinderboulderraum (Lärmvermeidung) lässt die Herzen des Nachwuchses höher schlagen (hier können Anfänger auch gefahrlos über Matten den Vorstieg erlernen). Der Kinderspielplatz mit Schaukel, Rutsche und allem was zu einem „ordentlichen“ Spielplatz dazugehört ermöglicht es auch Familien mit noch ganz kleinen Kindern in Thalkirchen ihre Ambitionen frei auszuleben. In den Pausen bietet sich Slacklinen an, das fordert nicht nur die kleinen Kletterer heraus. Es gibt zwei ständige Slacklines in Thalkirchen, eine aus Stahl für jederman/frau und eine die ihrem Namen gerecht wird (engl. slack: locker, durchhängend). Die große knapp 25 m lange Hangelleiter im innern der Halle hängt dagegen nicht durch. Sie ist straff gespannt und welcher kleine Nachwuchskletterer ist hier noch nicht raufgekraxelt? Eigentlich gibt es davon auch zwei, mit unterschiedlichem Sprossenabstand und es gibt inoffizielle Rekorde was Zeit und Stil der Begehungen betrifft.

Der Bau der Betonburg hat sich übrigens gelohnt. In der Folge explodierten in den 90ern die Mitgliederzahlen der Münchner DAV-Sektionen, die zum Kreis der Trägervereine von Thalkirchen zählen. Die bis dato einmalige Anlage war der Startschuß für den Kletterboom, der seitdem die bundesdeutsche Outdoorszene überrollt und zugleich München zum deutschen Mekka der Kletterer erhoben hat. Um der Nachfrage gerecht zu werden, errichteten die Münchener DAV-Sektionen Ende der 90er Jahre eine moderne Kletterhalle neben die alte Betonburg. Die ebenfalls stark strukturierte Außenwand der Halle, wurde vor wenigen Monaten zum Teil mit neuen Wandpaneelen modernisiert. Auch innen wurden im letzten Jahr einige Wände mit sehr individuellen Strukturelementen erneuert. Insgesamt macht die Vielfalt an Strukturwänden ein ganz großes Plus der Anlage für den Otto-Normal-Kletterer aus. Ein absolutes Highlight in Thalkirchen ist unumstritten im Frühjahr oder Herbst bei niedrigen Temperaturen – aber ausgleichendem Sonnenschein- an der großzügig angelegten Außenwand Ost zu klettern und sich in den Pausen einen Cappuccino zu genehmigen.

Womit Thalkirchen noch glänzt: das hochwertige Kurssystem, das von den Trägervereinen, allen voran den DAV-Sektionen München und Oberland angeboten wird. Ein ausgezeichneter Service durch die Betreiberfirma Orgasport. Sämtliche 350 (!) Routen werden alle 3 Monate von einem kreativen Schrauberteam umgeschraubt. Die alljährliche Münchner Meisterschaft mit über 300 Teilnehmern lockt bis zu 1000 Besucher zu dem Kletterevent. Es gibt viele Möglichkeiten für das Krafttraining und Techniktraining (Campusboards, Klimmzuganlagen, Boulderhöhle unter dem Dach). Im Sommer gibt’s Feines vom Grill im hauseigenen Biergarten usw…-Die Liste ließe sich noch um einiges verlängern.

Kein Wunder, dass in Folge der Entwicklung des Kletterns zum Breitensport Thalkirchen an manchen Wintertagen aus allen Nähten platzt (wie die meisten großen deutschen Kletterhallen). Dem soll in Zukunft abgeholfen werden: Demnächst soll direkt neben der Halle eine zweite Anlage in etwa derselben Größenordnung wie die erste aus dem Boden gestampft werden. Dort soll dann auch der Entwicklung des Boulderns zu einer eigenständigen und nachgefragten Disziplin im Klettersport angemessen Rechnung getragen werden. Die Genehmigung liegt schon vor, die vielen Tausend Kletterer in München warten gespannt darauf, dass die Baumaschinen anrücken.

Autor: Nils Schützenberger